Darüber schweigt die Regierung: Deshalb kochen möglicherweise die Emotionen an der Grenze hoch

Author: Barnabás Nagy Original title: A kormány erről hallgat: emiatt szabadulhatnak el az indulatok a határon
Publication: www.femina.blog.hu, Photo: MTI – Sándor UJVÁRI Date: 19/09/2015

Darüber schweigt die Regierung: Deshalb kochen möglicherweise die Emotionen an der Grenze hoch

Bis jetzt hat vor allem fehlende Information Chaos unter den Flüchtlingen verursacht. Auch jetzt ist dies das Problem

Wegen der außerordentlichen Maßnahmen und der Schließung der Grenze wurde die Kommunikation zwischen den ungarischen offiziellen Stellen und den Flüchtlingen zu einem noch brennenderen Problem. Obwohl die Polizisten den Flüchtlingen, die jenseits der Grenze festsitzen, über Lautsprecher arabischsprachige Nachrichten zukommen lassen, werden diese während des offiziellen Verfahrens mit ungarischsprachigen Papieren konfrontiert, viele von ihnen sprechen aber noch nicht einmal Englisch.

Vergeblich haben wir uns im Innenministerium erkundigt, mit wie vielen Dolmetschern die Regierung arbeitet, man hat es uns nicht verraten, und es scheint, dass es für sie auch keine wichtige Frage war.

Das Innenministerium reagiert nicht.

In den letzten beiden Wochen wurde deutlich, dass niemand die Flüchtlinge angemessen darüber informiert hat, welches die örtlichen Vorschriften sind und was mit ihnen geschehen wird. Das konnte man am [Budapester] Ostbahnhof sehen und später auch in Röszke, was zu ernsthaftem Chaos und oft überflüssiger Gereiztheit führte.

Deshalb haben wir uns an das Innenministerium gewandt, um zu erkunden, mit wie vielen Dolmetschern bzw. in welchen Sprachen die Regierung zur Verhinderung von Konflikten beiträgt. Das Ministerium reagiert seit letzter Woche nicht auf unsere Anfrage.

Das amtliche Verfahren erfolgt nur in ungarischer Sprache

Das Index online-Portal schrieb darüber, dass gestern, nachdem das Gebiet an der serbischen Grenze vollständig gesperrt wurde, vor Ort Mitarbeitende der Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsbehörde den Schlange stehenden Flüchtlingen ein ungarischsprachiges Papier zur Unterschrift vorlegten.

Mit der Unterschrift unter den Antrag hätten die Flüchtlinge praktisch auf eine positive Beurteilung ihres Antrags verzichtet, darauf kamen sie jedoch erst nach einer Weile. Auch hätten sie nur auf Ungarisch lesen können, was man von ihnen wollte.

Ebenfalls in den Nachrichten des Index-Portals erschien die Geschichte der beiden Männer aus Bangladesch, die die ersten waren nach dem Ausrufen der Krisensituation, deren Asylantrag an der Grenze in einem beschleunigten Verfahren abgelehnt wurde. Die beiden Männer bekamen nur ein ungarischsprachiges Papier darüber, dass ihr Antrag abgelehnt wurde unter Verweis darauf, dass Serbien ein sicheres Land sei, und dass sie innerhalb von 7 Tagen beim Gericht in Szeged Widerspruch einlegen können. Während des Verfahrens war wenigstens ein Urdu sprechender Dolmetscher anwesend, der vielleicht gesagt hat, was auf dem Papier steht.

Die Unsicherheit kann sich noch verschärfen

Vor zwei Wochen war es am Ostbahnhof eindeutig, dass die Flüchtlinge nicht wegen der zu erwartenden Maßnahmen demonstriert haben, sondern deshalb, weil sie keine Ahnung darüber hatten, was mit ihnen sein wird. Sie haben die Registrierung vermutlich deshalb verweigert, weil ihnen niemand gesagt hat, dass diese von ihnen in Ungarn aufgrund der EU-Vorschriften erwartet wird. Die offiziellen Stellen haben gerade so viel getan, dass sie den Bahnhof mit der Polizei gesperrt haben.

Die Flüchtlinge haben schon 36 Stunden vor dem Bahnhof demonstriert, bis sie die erste arabischsprachige Information darüber bekamen, dass keine Züge nach Westen abfahren. Zwar waren unter den freiwilligen Helfenden Dolmetscher, diese konnten aber natürlich nicht mit offiziellen Informationen dienen, auch waren sie nicht genug, um jeden passend zu informieren. In Röszke hat man ähnlich mit Lautsprechern versucht, die Flüchtlinge zu informieren, doch damit konnten sie nur allgemeine Information bekommen.

Da die Asylsuchenden schon nicht an grundlegende Informationen herankommen, auch das amtliche Verfahren nicht verstehen, ist das Chaos geradezu garantiert, ebenso, dass die Spannung an der
ungarisch-serbischen Grenze immer größer wird.

Ergänzung: Nach dem Erscheinen unseres Artikels hat die Presseabteilung des Innenministeriums im Parlament die folgende Antwort geschickt: Die Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsbehörde (BÁH) versieht die Aufgabe des Übersetzens mit auf einer Namensliste eingetragenen Dolmetschern (rechtliche und natürliche Personen bzw. solchen Firmen, die nicht als rechtliche Personen eingetragen sind) auf der Basis eines aus dem jeweiligen Anlass zu schließenden Vertrages. Die Aufnahme in die Namensliste erfolgt auf Antrag. Z. Zt. befinden sich mehr als 400 Firmen bzw. Personen auf der Liste und mehr als 50 Sprachen (u.a. Arabisch, Dari, Paschtu, Farsi, Somalisch, Französisch, Bengalisch, Tamil, Türkisch, Kurdisch, Amharisch, Vietnamesisch, Chinesisch, Russisch); man kann laufend Anträge auf Aufnahme in die Liste stellen. Im Antrag muss angegeben werden, in welcher Sprache und an welchem Ort Übersetzungen geleistet werden können, auch gegenwärtig werden Anträge bearbeitet. Ebenfalls stehen auch gegenwärtig den rechtlichen Vorschriften entsprechend Informationen über das Asylverfahren zur Verfügung, die die Asylbewerber nach dem Einreichen ihres Antrags in ihrer eigenen Sprache oder in einer Sprache, die sie verstehen und sprechen, bekommen. Darüber hinaus finden sich auf der Homepage des BÁH Informationen auf Englisch und Deutsch.

In Kürze kommt auf die Homepage auch eine Information in mehreren Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Paschtu, Arabisch, Dari) über die seit dem 15. September gültigen Rechtsvorschriften zu den an der Grenze stattfinden Verfahren.

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